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FINEO Vakuumglas für eine Kathedrale aus Stahl und Glas

FINEO Vakuumglas für eine Kathedrale aus Stahl und Glas

2.280 FINEO Vakuumglasscheiben auf knapp 3.900 m² Fassadenfläche machen die Umnutzung der ehemaligen Citroën-Garage in Brüssel zu einem der größten Projekte in der Geschichte von FINEO by AGC. Für die Transformation des ikonischen Industriebaus zu Kanal galt es, historische Stahlfassaden zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen an Energieeffizienz, Akustik und Nutzerkomfort deutlich zu verbessern. Das Ergebnis zeigt, wie sich der Schutz historischer Bausubstanz, architektonische Qualität und moderne Vakuumverglasung verbinden lassen.

Das Gebäude entstand Anfang der 1930er Jahre als belgische Niederlassung des Automobilherstellers Citroën. Firmengründer André Citroën verstand seine Niederlassungen nicht nur als Verkaufsstandorte, sondern als sichtbaren Ausdruck der Marke. Am Kanal Brüssel-Charleroi ließ er deshalb einen weitläufigen Komplex aus Stahl, Beton und Glas errichten. Der 25 Meter hohe, verglaste Showroom präsentierte die Fahrzeuge zur Stadt hin, dahinter erstreckten sich mehrere Werkstatthallen. Gemeinsam bildeten sie die damals größte Garage Europas und gelten heute als eines der bedeutendsten Beispiele modernistischer Industriearchitektur Belgiens. 
Nach dem Auszug von Citroën im Jahr 2014 standen die Gebäude mehrere Jahre leer. 2017 schrieb die Region Brüssel einen internationalen Architekturwettbewerb für die Umnutzung aus. Den Zuschlag erhielt Atelier Kanal architects, ein Zusammenschluss der Büros noAarchitecten aus Brüssel, EM2N aus Zürich und Sergison Bates aus London.

Bestand als Ressource
Unter dem Leitgedanken „A Stage for Brussels“ entwickelte das Team einen Entwurf, der die Citroën-Garage nicht nur als Hülle für ein Museum begreift, sondern als öffentlichen Raum für die Stadt. Anstatt den Bestand durch neue Architektur zu überformen, sollte das Gebäude selbst Ausgangspunkt der Transformation sein. „Wir wollten so viel wie möglich von den Qualitäten erhalten, die bereits im Gebäude vorhanden waren“, sagt Projektarchitektin Arabella El Ginawy. Drei funktionale Kuben wurden in die bestehende Struktur eingefügt, während die historischen Hallen, Rampen und Erschließungsachsen weiterhin erlebbar bleiben.
Beauftragt von der Fondation Kanal wurde ein Baukonsortium aus BPC und CIT Blaton mit der Durchführung des Projekts betraut.
Um die strengen Umweltanforderungen eines modernen Museums zu erfüllen, wurden die klimatisierten Ausstellungsräume in diesen neuen Baukörpern untergebracht. Die ehemaligen Werkstätten wurden dagegen als Zwischenzone mit natürlicher Belüftung konzipiert.

Historische Stahlfassaden setzen enge Grenzen für die Glasauswahl
Für die neue Nutzung mussten Wärme- und Schallschutz der Verglasung deutlich verbessert werden, ohne den historischen Charakter der Fassaden zu beeinträchtigen. Die ursprüngliche Verglasung aus gezogenem Glas war teilweise beschädigt, undicht und akustisch unzureichend. Bei Messungen vor der Sanierung zerbrachen einzelne Scheiben bereits unter der Schallbelastung durch Lautsprecher. Gleichzeitig liegt das Gebäude unmittelbar an einer stark befahrenen Straße.
Entsprechend entwickelte Kahle Acoustics ein umfassendes Akustikkonzept. Die Verglasung sollte den Verkehrslärm abschirmen, ruhige Ausstellungs- und Aufenthaltsbereiche ermöglichen und gleichzeitig Veranstaltungen im Gebäude erlauben, ohne die unmittelbare Nachbarschaft zu beeinträchtigen. 
Stephanie Mangé, Mitgründerin des Ingenieur- und Architekturbüros Gevelinzicht Ingenieur-Architecten, das zum Planungsteam gehört, untersuchte mit dem Design-Team verschiedene Verglasungsoptionen. Dabei arbeitete Gevelinzicht eng mit Lootens, einem belgischen Spezialisten für Stahl und Aluminiumfassaden, sowie AGC Glass Europe zusammen. Unter anderem wurden für das projektspezifische Befestigungssystem an der Universität Gent Prüfungen zur Luft- und Wasserdichtheit sowie Temperaturtests durchgeführt. 
Neben beschichtetem Einfachglas wurden auch konventionelle Isoliergläser, Isoliergläser für Baudenkmäler sowie Vakuumglasprodukte mit sichtbaren Evakuierungsöffnungen bewertet. Die historischen Stahlprofile begrenzten die Wahl der Verglasung jedoch erheblich. Die aus verschweißten L- und T-Profilen aufgebauten Rahmen waren ursprünglich für Einfachglas ausgelegt und besaßen lediglich eine Glasaufnahmetiefe von vier, respektive 5,5 Zentimetern. Gleichzeitig hatten sich die Fassadenelemente über die Jahrzehnte dauerhaft verformt, sodass kaum ein Feld noch exakt rechtwinklig war. Beschichtetes Einfachglas konnte die Anforderungen an Komfort und Akustik nicht erfüllen. Konventionelle Isoliergläser schieden ebenfalls aus: Sie waren in der geringen Einbautiefe der Bestandsprofile nicht unterzubringen.
Aufgrund der exponierten Lage am Kanal wurde zudem eine statische Windlastanalyse durchgeführt. Sie ergab als Mindestanforderung an einfaches Glas eine Erhöhung der Glasdicke von 4 auf 8 mm sowie eine punktuelle Verstärkung der stärker windbelasteten Rahmenbereiche.
„FINEO rückte bereits früh in der Untersuchungsphase in den Fokus“, erklärt Mangé. „Obwohl die Verglasung damals noch vergleichsweise innovativ war, stellte sich sofort die Frage nach dem Kondensationsrisiko, da die hochwärmedämmende Verglasung in thermisch nicht getrennte Stahlprofile eingebaut werden sollte. Thermische und dynamische Simulationen zeigten ein begrenztes Risiko und darüber hinaus positive Auswirkungen auf das Raumklima. Das überzeugte uns schließlich, diesen Weg einzuschlagen.“
Die Wahl fiel schließlich auf FINEO 10 mit dem eisenarmen Weißglas Clearvision, einem Ug-Wert von 0,8 W/(m²K) und einer Gesamtdicke von 9,7 mm. Durch seine schlanke Konstruktion ohne sichtbare Evakuierungsöffnung bewahrt es den optischen Charakter einer Einfachverglasung. Der Ug Wert war geringfügig höher als bei Standardausführung von FINEO (Ug = 0,7 W/m²K). Das Planungsteam nahm dies bewusst in Kauf, weil die Glasqualität eine hohe Tageslichttransmission und Farbneutralität bot. Umfangreiche Mock-up-Tests wurden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Planungsteam, den Fassadenspezialisten und AGC Glass Europe durchgeführt, bei denen verschiedene Verglasungs- und Beschichtungslösungen gemeinsam bewertet wurden, bevor die endgültige Spezifikation festgelegt wurde.
Für El Ginawy war FINEO die einzige Lösung, die die zentralen Projektziele miteinander verbinden konnte: „Wir wollten die filigranen Stahlprofile erhalten, die außergewöhnliche Transparenz der historischen Fassade bewahren und gleichzeitig die energetische Leistung deutlich verbessern. Alternative Verglasungssysteme konnten diese Anforderungen nicht in gleicher Weise erfüllen. Die Kombination dieser neu entwickelten Verglasung mit dem Stahl der 1930er Jahre fühlte sich wie Neuland an, eine wirklich neue Art, mit Glas zu bauen.“ 
Vincent Berrier, Akustiker bei Kahle Acoustics, ergänzt: „FINEO ist eine dünne und leichte Verglasung mit hoher Schalldämmleistung, die zugleich elegant wirkt. An den besonders schallbelasteten Fassaden haben wir die Konstruktion zusätzlich mit umlaufenden Schallschutzdichtungen optimiert, um die akustischen Anforderungen zu erfüllen.“

1.400 Scheiben, fast jede ein Unikat
Mit der Verglasungsentscheidung war die technische Herausforderung jedoch noch nicht gelöst. Die historischen Werkstattfassaden wiesen teilweise Diagonalabweichungen von mehr als drei Zentimetern auf. Vor der Neuverglasung mussten zahlreiche Rahmen daher zunächst gerichtet werden.
Die Montage der neuen Verglasung in den Werkstattfassaden übernahm AGC Mirodan Bouwglas. Auf rund 2.200 m² Fassadenfläche kamen etwa 1.400 FINEO-Scheiben zum Einsatz. Nahezu jedes Feld unterschied sich in seinen Abmessungen. Die Scheibenbreiten variierten zwischen 1.005 und 1.340 mm, die Höhen zwischen 1.250 und 1.300 mm. Durch die über Jahrzehnte entstandenen Verformungen wiesen viele Felder zudem keine rechten Winkel mehr auf. Die präzise Vermessung und Fertigung sowie projektspezifische Montagerichtlinien erwiesen sich dabei als entscheidender Erfolgsfaktor. „Keine Scheibe musste wegen falscher Abmessungen neu produziert werden“, berichtet Geschäftsführer Sven Delaere. 
Die Montagearbeiten erwiesen sich als anspruchsvoll. Zahlreiche Felder waren nur eingeschränkt zugänglich, da sie teilweise hinter später eingebauten Wänden oder Stahlverstärkungen lagen. Das vergleichsweise geringe Gewicht der FINEO-Scheiben von rund 50 kg erleichterte die Arbeiten jedoch erheblich. Für Delaere liegen die Stärken des Vakuumglases insbesondere im geringen Gewicht sowie in den guten Wärme- und Schalldämmeigenschaften: „In meinen Augen ist es das Glas der Zukunft.“
Der Zustand der Verglasung und der Stahlprofile schloss den ursprünglichen Plan aus, die Werkstattfassaden vor Ort zu sanieren. Die Fassadenelemente wurden daher ausgebaut, extern restauriert und für die Neuverglasung wieder eingebaut.
Ein vergleichbares Referenzprojekt dieser Größenordnung gab es nicht, sodass sich das Projektteam weitgehend auf unbekanntem Terrain bewegte.
Offen blieb jedoch die Frage, wie die im Vergleich zur Einfachverglasung dickeren FINEO-Einheiten in die Stahlrahmen integriert werden konnten. Ein konventioneller Einbau in die vorhandene Glasnut war nicht möglich. CIT Blaton entwickelte deshalb gemeinsam mit den Fassadenberatern ein neues Anschlussdetail. Nach dem Einsetzen wurde das Glas durch nachträglich montierte Halteprofile fixiert. „Die endgültige Lösung basiert auf einer umlaufenden Glasleiste und einer Eckfuge, die Verformungen und Toleranzen der historischen Konstruktion ausgleicht“, so Sergio Costantini, verantwortlich für die Tragwerksplanung bei CIT Blaton. Da die historischen Profile ursprünglich keine Entwässerung besaßen, wurde das untere Halteprofil mit einem definierten Abstand zum Bestandsrahmen ausgeführt. „Um das Kondensationsrisiko zu reduzieren, kamen Edelstahl-Glashalteleisten zum Einsatz, und die Glasfalz wurde mit einem Schaumstoffband ausgefüllt, das auch für die akustische Leistung erforderlich war. Im unteren Anschlussdetail wurde zudem eine Entwässerung für eventuell anfallendes Kondensat vorgesehen“, so Mangé.

Thermisch getrenntes Fassadenprofil für den Showroom
Für den ikonischen Showroom galten andere Randbedingungen als für die Werkstattfassaden. Die historischen Stahlstützen von 1934 blieben erhalten, die Querträger mussten jedoch ersetzt werden. Gleichzeitig gehört er zu den klimatisierten Bereichen des Gebäudes und stellte damit deutlich höhere Anforderungen an die Gebäudehülle.
Architektonisch sollte der Showroom als weithin sichtbares Herzstück der ehemaligen Citroën-Garage wieder zu jener transparenten „Kathedrale aus Stahl, Glas und Licht“ werden, als die er einst entworfen wurde. „Die Showroom-Fassade ist tatsächlich eine Rekonstruktion. Die Fensterprofile wurden anhand historischer Archivfotografien entworfen, da die ursprünglichen Fenster nicht mehr erhalten waren“, erklärt Mangé.
Die künftige Nutzung stellte dieses Ziel jedoch vor neue technische Anforderungen. „Der Grund war nicht der Zustand der Konstruktion, sondern die klimatischen Anforderungen. Dort sollen im Sommer Temperaturen von 30 °C vermieden werden“, ergänzt Ron Jacobs von Jansen AG. Auf rund 1.160 m² Fassadenfläche kamen etwa 530 Vakuumglasscheiben zum Einsatz. Die einzelnen Glasfelder messen rund 1,05 × 2,10 Meter und fügen sich in die charakteristische Rasterstruktur des historischen Showrooms ein.
Im Anschluss an die erste Planungsphase übernahm Lootens die Weiterentwicklung der Fassadenlösung. Das Unternehmen ergänzte die Entwurfsplanung um Fertigungs- und Montagedetails sowie mehrere projektspezifische Lösungen. Dazu gehören auch die bis zu sechs Meter breiten vertikalen Schiebeelemente im Erdgeschoss. „Für uns Architekten sind diese Fenster entscheidend“, ergänzt El Ginawy. „Sie öffnen das Gebäude zur Öffentlichkeit und schaffen eine Kontinuität des städtischen Gefüges.“

Historisches bewahren. Zukunft gestalten.
Die Fassadenlösungen für Werkstätten und Showroom folgen trotz aller Unterschiede demselben Grundgedanken. Anstatt die vorhandenen Fassadenkonstruktionen zu ersetzen, wurden sie möglichst weitgehend instandgesetzt und erneut verwendet. Nach Berechnungen von Gevelinzicht Ingenieur-Architecten konnten allein durch die Wiederverwendung der Werkstattfassaden rund 61.000 kg CO₂-Äquivalente vermieden werden. Eine neue Vorhangfassade wäre einfacher umzusetzen und teilweise wirtschaftlicher gewesen. Dennoch entschied sich das Planungsteam bewusst für den aufwendigeren Weg. Dass FINEO in Belgien produziert wird, spielte ebenfalls eine Rolle: kurze Transportwege, die Einhaltung belgischer Vorschriften und ein reduzierter ökologischer Fußabdruck sprachen für das lokal gefertigte Vakuumglas.
„Kanal zeigt eindrucksvoll, dass historische Fassaden nicht nur erhalten, sondern auch an die Anforderungen moderner Gebäude angepasst werden können. Die Kombination aus Bestandserhalt, Energieeffizienz, Betriebskosten und Nutzerkomfort wäre vor wenigen Jahren in dieser Form kaum denkbar gewesen. Besonders beeindruckt hat mich die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Vom ersten Entwurf bis zur Montage haben Architekten, Planer, Fassadenbauer und Glasexperten gemeinsam an einer Lösung gearbeitet. Wir sind stolz, dass FINEO einen wichtigen Beitrag zu diesem außergewöhnlichen Projekts leisten konnte“, sagt Stefan Lips, Sales Director Europe bei FINEO.“

Um all Ihren Anforderungen gerecht zu werden, bietet FINEO eine Reihe spezifischer Varianten an, die jeweils ihre eigenen Vorteile haben. 
Entdecken Sie das FINEO-Sortiment unter https://www.fineoglass.eu/de/produkt/ 
Oder wenden Sie sich an das FINEO-Team unter https://www.fineoglass.eu/de/kontakt/